Wer vor drei oder vier Jahren sein erstes Depot eröffnet hat, tat das oft bei der Hausbank oder bei einem der ersten großen Neobroker – ohne die Gebühren wirklich zu vergleichen. Heute, mit einem gut gefüllten ETF-Sparplan und ein paar tausend Euro im Depot, fällt der Unterschied plötzlich ins Gewicht: Bei manchen Filialbanken kostet die monatliche Sparplanausführung 1,5 Prozent der Rate, mindestens aber zwei bis drei Euro, während ein Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital oft nur einen Euro pro Ausführung verlangt oder sogar nichts, wenn der ETF gerade im Aktionsangebot läuft. Über zehn oder zwanzig Jahre Sparplan summiert sich diese Differenz zu einem Betrag, der locker eine zusätzliche Jahresrate finanzieren würde.
Warum immer mehr Anleger den Broker wechseln
Der Wettbewerb unter deutschen Brokern hat sich seit 2023 deutlich verschärft, und das spüren vor allem Sparplan-Anleger direkt im Depotauszug. Trade Republic verlangt seit der Gebührenreform ein Euro pro Sparplanausführung, Scalable Capital bietet im Free-Broker-Modell viele ETFs kostenlos an und verlangt für den Rest ebenfalls geringe Pauschalen, während klassische Direktbanken wie comdirect, ING oder DKB häufig prozentuale Gebühren erheben, die bei kleinen Sparraten unverhältnismäßig hoch ausfallen. Consorsbank und flatex liegen preislich meist dazwischen, abhängig davon, ob der gewählte ETF Teil einer Partneraktion ist oder nicht. Dazu kommen Depotführungsgebühren, die manche Filialbanken noch immer verlangen, obwohl die meisten Neobroker und Direktbanken längst auf ein kostenloses Depot umgestellt haben. In Österreich und der Schweiz sieht das Bild ähnlich aus: Wer dort über einen deutschen Neobroker spart, profitiert von denselben niedrigen Ausführungsgebühren, während viele traditionelle Hausbanken in Wien oder Zürich für Fondssparpläne noch immer Ausgabeaufschläge von ein bis zwei Prozent berechnen. Wer mehr als zehn Euro im Monat allein für die Ausführung eines Sparplans zahlt, sollte spätestens jetzt nachrechnen – das ist keine Kleinigkeit, sondern über die Jahre ein spürbarer Renditeverlust.
Hinzu kommt ein zweiter Grund, der seltener genannt wird: die Orderqualität bei Einzelkäufen außerhalb des Sparplans. Wer neben dem ETF-Sparplan gelegentlich Einzelaktien oder Anleihen kauft, merkt schnell, dass manche Filialbanken für eine einzelne Order zwischen 15 und 30 Euro verlangen, während Neobroker meist mit ein bis zwei Euro pro Trade auskommen. Für Anleger, die aktiv nachkaufen oder umschichten, ist das ein Kostenfaktor, der bei der Wahl des Depots mindestens genauso wichtig ist wie die reine Sparplangebühr.
So läuft ein Depotübertrag technisch ab
Der Wechsel beginnt nicht bei der alten Bank, sondern beim neuen Broker: Dort füllen Sie das Depotübertragsformular aus, meist online, und beauftragen die neue Bank, die Wertpapiere direkt bei der alten Bank abzuholen. Ein Anruf oder eine Kündigung bei der alten Bank ist an dieser Stelle überflüssig und sogar riskant, weil dadurch der geregelte Übertragsprozess umgangen wird. Entscheidend ist, dass es sich um einen echten Wertpapierübertrag handelt – die ETF-Anteile wandern in Stücken vom alten ins neue Depot, es findet kein Verkauf und kein Neukauf statt.
Genau das macht den Vorgang steuerlich neutral. Anschaffungsdatum und Anschaffungskosten jedes einzelnen Anteils werden mitübertragen, sodass beim späteren Verkauf weiterhin der ursprüngliche Kaufpreis für die Berechnung des steuerpflichtigen Gewinns zählt. Eine Ausnahme kennt das Gesetz allerdings: Wer noch Alt-Anteile aus der Zeit vor 2009 im Depot hat, den sogenannten Bestandsschutz-Bestand, dessen Kursgewinne beim Verkauf grundsätzlich steuerfrei bleiben, sollte im Formular ausdrücklich darauf achten, dass diese Papiere korrekt als Altbestand gekennzeichnet werden. Geht diese Markierung beim Übertrag verloren, kann das Finanzamt später Kapitalertragsteuer verlangen, obwohl die Anteile eigentlich steuerfrei wären – ein Fehler, der sich im Nachhinein nur mit viel Aufwand korrigieren lässt.
Fristen und Dauer: Womit Sie realistisch rechnen sollten
Ein inländischer Depotübertrag zwischen zwei deutschen Banken dauert in der Praxis meist zwei bis vier Wochen. Manche Neobroker schaffen es in zehn Tagen, während größere Filialbanken mit mehr internen Prüfschritten gerne auch mal sechs Wochen brauchen, besonders wenn viele verschiedene Wertpapiere im Depot liegen. Bis der Übertrag abgeschlossen ist, bleibt der Sparplan bei der alten Bank technisch aktiv – kündigen Sie ihn dort nicht separat, laufen im Übergangszeitraum zwei Sparpläne parallel, und es werden doppelt Beträge abgebucht. Fällt während der Übertragsphase eine Dividende oder eine Ausschüttung an, landet das Geld in der Regel noch auf dem alten Verrechnungskonto, selbst wenn die Wertpapiere formal schon beim neuen Broker verbucht sind – ein Detail, das viele erst bemerken, wenn sie sich fragen, warum das neue Depot niedriger ausfällt als erwartet. Es lohnt sich deshalb, das alte Verrechnungskonto noch zwei bis drei Monate nach dem Übertrag im Blick zu behalten, statt es sofort zu kündigen.
Worauf Sie beim neuen Broker achten sollten
Sparplanfähig ist nicht dasselbe wie sparplanfreundlich.
Bevor Sie das Formular abschicken, lohnt sich ein Blick in die Sparplanliste des neuen Anbieters. Nicht jeder Broker führt jeden ETF sparplanfähig, und gerade bei weniger bekannten Indexfonds oder Themen-ETFs kann es passieren, dass der neue Anbieter genau diesen einen Fonds gar nicht im Sparplanangebot hat. In diesem Fall bleibt der bestehende Bestand zwar übertragbar, ein weiteres Besparen ist dort aber nicht möglich, ohne auf einen anderen ETF umzusteigen oder eine Einzelorder manuell auszulösen.
- Prüfen Sie die laufenden Kosten pro Sparplanausführung – nicht nur den beworbenen Einstiegspreis
- Vergleichen Sie, ob Depotführung und Kontoführung dauerhaft kostenlos sind oder nur im ersten Jahr
- Klären Sie, ob Fremdkostenpauschalen für den Übertrag anfallen und ob der neue Broker diese erstattet, was viele Anbieter als Wechselanreiz mittlerweile anbieten
- Und: Lesen Sie das Kleingedruckte zu Wechselprämien wirklich – Prämien von 50 oder 100 Euro sind oft an eine Mindesthaltedauer von zwölf Monaten gebunden
Lassen Sie sich von Wechselprämien nicht blenden. Die bessere Wahl ist fast immer der Broker mit den niedrigsten laufenden Kosten über die gesamte Haltedauer des Depots, nicht der mit der höchsten einmaligen Gutschrift im ersten Monat. Wer zwanzig oder dreißig Jahre spart, verliert durch eine schlechte Gebührenstruktur mehr, als jede Prämie je ausgleichen könnte.
Warum der Herbst 2026 der richtige Zeitpunkt ist
Ein Depotübertrag lässt sich technisch das ganze Jahr über anstoßen, doch der Herbst hat einen konkreten Vorteil: Wer jetzt wechselt, hat den Prozess mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem Jahreswechsel abgeschlossen und muss sich nicht mit zwei parallelen Depots durch die Steuerbescheinigung für 2026 kämpfen. Das ist mehr als reine Bequemlichkeit. Anfang Januar veröffentlicht die Deutsche Bundesbank den Basiszins für das Folgejahr, auf dessen Grundlage die Banken die Vorabpauschale für thesaurierende ETFs berechnen und automatisch vom Verrechnungskonto abbuchen. Läuft Ihr Depot dann noch bei zwei verschiedenen Banken gleichzeitig, wird aus einer ohnehin schon unübersichtlichen Berechnung ein doppelter Verwaltungsaufwand – inklusive der Frage, welcher Freistellungsauftrag bei welcher Bank in welcher Höhe hinterlegt ist.
Die häufigsten Stolperfallen beim Wechsel
Der größte Fehler passiert meist am Anfang: den Sparplan bei der alten Bank nicht rechtzeitig zu kündigen, sobald der Übertrag angestoßen ist. Setzen Sie sich im Kalender eine Erinnerung für den Tag, an dem die Übertragsbestätigung eintrifft, und kündigen Sie den alten Sparplan genau dann – nicht früher, weil sonst unter Umständen offene Sparplananteile fehlen, und nicht später, weil sonst doppelt abgebucht wird.
Eine zweite Falle betrifft Bruchstücke. Wer bei einem Neobroker seit Jahren monatlich 50 oder 100 Euro in einen ETF investiert hat, besitzt meist keine ganzen Anteile, sondern Bruchstücke bis auf mehrere Nachkommastellen genau. Nicht jede Zielbank kann solche Bruchstücke annehmen – manche traditionellen Depotbanken akzeptieren ausschließlich ganze Stücke. In diesem Fall verkauft die alte Bank die Bruchstücke automatisch, was einen steuerpflichtigen Vorgang auslöst, auch wenn Sie das eigentlich vermeiden wollten. Fragen Sie deshalb vor dem Wechsel gezielt nach, ob der neue Broker bruchstückfähig ist, wenn Ihr Depot viele solcher Teilanteile enthält.
Und schließlich: Manche Banken berechnen für einen ausgehenden Depotübertrag eine Fremdkostenpauschale zwischen 20 und 50 Euro pro Wertpapierposition. Bei einem Depot mit fünf oder sechs verschiedenen ETFs kann das schnell dreistellig werden. Viele Neobroker erstatten diese Kosten, wenn Sie zu ihnen wechseln – meist bis zu einem Höchstbetrag und gegen Vorlage der Abrechnung der alten Bank. Fragen Sie aktiv danach, bevor Sie den Übertrag beauftragen, denn diese Erstattung wird selten von selbst angeboten.