
Die Buchung ist bezahlt, der Koffer steht im Flur — und drei Wochen nach der Rückkehr taucht auf der Kreditkartenabrechnung eine Reihe kleiner Beträge auf, mit denen niemand gerechnet hat. Ein Euro hier, zwei dort, ein ungünstiger Wechselkurs an einem Geldautomaten in der Altstadt. Einzeln fällt das kaum auf, in der Summe sind es bei einer zweiwöchigen Reise schnell 40 oder 50 Euro, die schlicht für Gebühren draufgehen. Wer vor der Abreise zehn Minuten investiert, behält dieses Geld — und das gilt selbst innerhalb der Eurozone.
Innerhalb der Eurozone: aufpassen beim "Service"
Reisen Sie nach Italien, Spanien oder Portugal, zahlen Sie in Euro, und für die reine Kartenzahlung fallen normalerweise keine Fremdwährungsgebühren an. Die Falle heißt hier dynamische Währungsumrechnung, im Englischen DCC. Das Kartenterminal oder der Geldautomat fragt freundlich, ob Sie lieber in Euro statt in der Landeswährung zahlen möchten — in der Eurozone klingt das harmlos, an Automaten taucht die Frage aber auch dort auf, und auf Reisen außerhalb des Euroraums kostet ein "Ja" richtig Geld.
Die Regel ist einfach: Lehnen Sie die Umrechnung durch den Händler immer ab und zahlen Sie in der jeweiligen Landeswährung. Den Umtausch übernimmt dann Ihre Bank zum Mastercard- oder Visa-Kurs, und der ist fast immer deutlich besser als der Aufschlag, den der Automatenbetreiber sich gönnt. Bei DCC sind drei bis sechs Prozent Aufschlag keine Seltenheit.
Außerhalb der Eurozone wird die Kartenwahl zum Geldfaktor
Geht es in die Türkei, nach Großbritannien oder weiter weg, entscheidet die richtige Karte spürbar über die Kosten. Drei Posten lauern:
- Fremdwährungsgebühr: Viele klassische Kreditkarten verlangen rund 1,75 bis 2 Prozent auf jeden Umsatz in fremder Währung. Bei 1.500 Euro Reiseausgaben sind das fast 30 Euro nur dafür, dass die Karte in einer anderen Währung gebucht wurde.
- Automatengebühr: Beim Abheben am Geldautomaten kommt oft ein fester Betrag oder ein Prozentsatz obendrauf — manchmal von Ihrer Bank, manchmal vom Automatenbetreiber vor Ort, häufig von beiden.
- Der Wechselkurs selbst: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Karten, die zum reinen Mastercard- oder Visa-Kurs abrechnen, sind günstiger als jede Wechselstube am Flughafen.
Anbieter wie die DKB, die Hanseatic Bank (Genialcard) oder eine Karte von C24 rechnen Auslandsumsätze ohne Fremdwährungsgebühr ab. Neobanken wie N26 oder Revolut bieten kostenfreie Zahlungen im Ausland ebenfalls an, oft mit einem begrenzten Freibetrag fürs Bargeldabheben pro Monat. Wer ohnehin verreist, sollte eine solche Karte mindestens zwei Wochen vorher beantragen — die Lieferung dauert.
Bargeld: nicht zu viel, nicht am Flughafen
Komplett bargeldlos funktioniert in vielen Ländern, aber eben nicht überall. Auf Märkten, in kleinen Cafés, beim Trinkgeld oder im Taxi ist Bargeld nach wie vor König. Die Kunst liegt in der Menge: Genug für die ersten Tage und für die kleinen Beträge, aber nicht so viel, dass Sie am Ende mit einem dicken Bündel Restwährung nach Hause fliegen, das die Wechselstube nur zu miesem Kurs zurücknimmt.
Eine sinnvolle Reihenfolge: einen kleinen Grundbetrag zu Hause oder online wechseln, vor Ort dann größere Summen am Geldautomaten einer richtigen Bank abheben — nicht an den knallbunten Automaten in der Ankunftshalle, deren Geschäftsmodell genau auf gestresste Reisende ausgelegt ist. Und immer den Betrag in einem Mal abheben statt in fünf kleinen Schritten, wenn pro Abhebung eine feste Gebühr anfällt.
Die Checkliste vor der Abreise
Setzen Sie sich am Abend vor dem Packen einmal kurz hin:
- Prüfen Sie auf der Website Ihrer Bank, welche Gebühren für Kartenzahlung und Abheben im Ausland gelten — das steht oft kleingedruckt im Preis- und Leistungsverzeichnis.
- Falls die Hausbank teuer ist, beantragen Sie rechtzeitig eine zweite, gebührenfreie Karte als Reisekarte.
- Nehmen Sie zwei verschiedene Karten mit, getrennt verstaut. Fällt eine aus oder wird gesperrt, stehen Sie nicht ohne Zahlungsmittel da.
- Notieren Sie die Sperr-Hotline Ihrer Bank getrennt vom Portemonnaie.
Die Gebühren auf Reisen sind kein Schicksal, sondern eine Voreinstellung — und die lässt sich ändern. Wer die richtige Karte einsteckt und am Terminal konsequent die Landeswährung wählt, gibt das gesparte Geld lieber für ein zweites Eis am Hafen aus als für die Marge eines Automatenbetreibers.